Wir über uns

Man sagt, Deutschland sei immer ein Land der Bücherleser gewesen. Als sich die Verlage und die grafische Industrie von den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges zu erholen begannen, standen sie vor unerwarteten Aufgaben. Es mangelte an vielem: Wo waren die erfahrenen Schriftsetzer, denen man die typografische Betreuung der Bücher anvertrauen konnte? Die Beschaffung von Papier und Einbandmaterialien setzte fast erfinderische und manchmal an die Grenze des Unerlaubten gehende Begabungen voraus. Welche Druckereien waren technisch in der Lage, dem Ansturm der neuen Verlagsgründungswelle standzuhalten? Wie waren die logistischen Probleme des Transports von Material und Büchern in einem von Franzosen, Briten, Amerikanern und Russen besetzten Land zu bewältigen? Vor allem aber fehlte es in den Verlagen an jenen kreativen Enthusiasten, die Typografie, Satz, Repro, Druck und Bindung beherrschten und zugleich mit einer energischen Beschaffungsmentalität die kalkulatorischen Aufgaben lösen konnten.

Das waren die alltäglichen Erschwernisse, die Werner Lehmann (Herstellungsleiter bei Hanser) und Fritz Poerschke (Herstellungsleiter bei Oldenbourg) bewogen, die „Arbeitsgemeinschaft Münchner Verlagshersteller“ zu gründen.

Für den Frühsommer 1951 luden sie erstmals zu dieser Arbeitstagung nach Tutzing am Starnberger See ein. Die Reaktion war überraschend: 35 Teilnehmer stellten sich ein, um sich von Gleichgesinnten Rat zu holen, ihr Berufsumfeld zu überprüfen und über die Veränderungen besonders im Satz- und Reprobereich zu diskutieren.

Walter Lehmann und Fritz Poerschke prägten Stil und Inhalt dieser Arbeitstagungen, die nun jährlich an unterschiedlichen Orten Süddeutschlands stattfanden. Nach dem Tod der beiden Gründer (F. Poerschke 1967; W. Lehmann 1974) leitete „Mutter Lehmann“ – unvergessen und herzlich geliebt von ihren Tagungsteilnehmern – die Arbeitstagung weiter mit wechselndem Gremium, in dem sich nun die neue Generation erfahrener Herstellungsleiter der Programmverantwortung stellte. Klaus Koop (Piper) und Klaus Weberbeck (Hanser) waren über viele Jahrzehnte die Aktiven, die jedes Jahr im Mai die inzwischen auf über 100 Teilnehmer westdeutscher, österreichischer und Schweizerischer Verlage angewachsene „Arbeitstagung der Münchner Verlagshersteller“ programmatisch und organisatorisch durchführten. Besonders Klaus Weberbeck sei an dieser Stelle dafür gedankt.

Nach der Wende stand die Arbeitstagung als Diskussions- und Erfahrungspodium endlich auch jenen (wenigen) Kollegen offen, die die Zerschlagung der ostdeutschen Verlagslandschaft überstanden hatten.

Aber auch eine solch anerkannte und hoch geschätzte Veranstaltung kommt einmal in die Jahre. Wünsche und Anforderungen an das Tagungsprogramm aus dem Kreis der Kollegen und besonders der jüngeren Hersteller haben eine andere Form und ein anderes Podium der Arbeitstagung angestrebt. Und so kam es im Oktober 2004 auf der Frankfurter Buchmesse zur Auflösung der ursprünglichen „Münchner Arbeitsgemeinschaft der Verlagshersteller“.

Doch noch während der Messe sprachen sich etwa 60 Kolleginnen und Kollegen schnell und einvernehmlich für die Fortsetzung der Herstellertagung unter neuem Namen und mit neuem Schwung aus. Seit jener Gründungssitzung treffen sich die Herstellungsleiter deutschsprachiger Verlage ohne Unterbrechung jährlich am bewährten Himmelfahrts-Wochenende im Kloster Irsee zur 4-tägigen „Arbeitstagung der Herstellungsleiter“, das von einem rotierendem Gremium geleitet und von Astrid Staccone (Tagungsbüro) organisiert wird.

Die „Arbeitstagung der Herstellungsleiter“ ist eine der seltenen berufsbegleitenden Veranstaltungen, deren Programm und das fachliche Niveau ihrer Referenten und Moderatoren auf größte Akzeptanz ihrer Teilnehmer trifft. Es ist eine Auszeichnung, an dieser Arbeitstagung teilzunehmen. Sie kann jedoch nur so gut sein, wie sie von den Kollegen mit Themen, Anregungen und Initiativen unterstützt wird.