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2017

Historie

Als sich die Verlage und die grafische Industrie von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zu erholen begannen, standen diese vor unerwarteten Aufgaben. Es mangelte an vielem: Wo waren die erfahrenen Schriftsetzer, denen man die typografische Betreuung der Bücher anvertrauen konnte? Die Beschaffung von Papier und Einbandmaterialien setzte fast erfinderische und manchmal an die Grenze des Unerlaubten gehende Begabungen voraus. Welche Druckereien waren technisch in der Lage, dem Ansturm der neuen Verlagsgründungswelle standzuhalten? Wie waren die logistischen Probleme des Transports von Material und Büchern in einem von Franzosen, Briten, Amerikanern und Russen besetzten Land zu bewältigen? Vor allem aber fehlte es in den Verlagen an jenen kreativen Enthusiasten, die Typografie, Satz, Repro, Druck und Bindung beherrschten und zugleich mit einer energischen Beschaffungsmentalität die kalkulatorischen Aufgaben lösen konnten.

Das waren die alltäglichen Herausforderungen, die Werner Lehmann (Herstellungsleiter bei Hanser) und Fritz Poerschke (Herstellungsleiter bei Oldenbourg) bewogen, die Arbeitsgemeinschaft Münchner Verlagshersteller zu gründen.

Für den Frühsommer 1951 luden sie zur ersten Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft nach Tutzing am Starnberger See ein. Die Reaktion war überraschend: 35 Teilnehmer stellten sich ein, um sich von Gleichgesinnten Rat zu holen, ihr Berufsumfeld zu überprüfen und über die Veränderungen besonders im Satz- und Reprobereich zu diskutieren.

Walter Lehmann und Fritz Poerschke prägten Stil und Inhalt dieser Arbeitstagungen, die nun jährlich an unterschiedlichen Orten Süddeutschlands stattfanden. Nach dem Tod der beiden Gründer (F. Poerschke 1967; W. Lehmann 1974) organisierte Mutter Lehmann, (Ehefrau von W. Lehmann) als guter Geist – von ihren Tagungsteilnehmern herzlich geliebt und unvergessen – weiterhin die Arbeitstagung. Ein wechselndes Gremium aus erfahrenen Herstellungsleitern übernahm die Programmverantwortung. Klaus Koop (Piper) und Klaus Weberbeck (Hanser) waren über viele Jahrzehnte die Aktiven. Jedes Jahr im Mai führten sie die inzwischen auf über 100 Teilnehmer westdeutscher, österreichischer und schweizerischer Verlage angewachsene Arbeitstagung der Münchner Verlagshersteller programmatisch und organisatorisch durch. Besonders Klaus Weberbeck sei an dieser Stelle dafür gedankt.

Nach der Wende konnten auf der Arbeitstagung endlich auch jenen Kollegen begrüßt werden, die die Zerschlagung der ostdeutschen Verlagslandschaft überstanden hatten.

Eine solch anerkannte und hoch geschätzte Veranstaltung kommt aber auch einmal in die Jahre. Wünsche und Anforderungen aus dem Kreis der Kollegen und besonders der jüngeren Hersteller an das Tagungsprogramm erforderten eine andere Form der Arbeitstagung. So kam es im Oktober 2004 auf der Frankfurter Buchmesse zur Auflösung der ursprünglichen Münchner Arbeitsgemeinschaft der Verlagshersteller.

Noch auf der Messe sprachen sich etwa 60 Kolleginnen und Kollegen einvernehmlich für die Fortsetzung der Tagung unter dem neuen Namen Arbeitstagung der Herstellungsleiter aus. Seit jener Gründungssitzung treffen sich die Herstellungsleiterinnen und Herstellungsleiter deutschsprachiger Verlage ohne Unterbrechung jährlich am bewährten Himmelfahrts-Wochenende im Kloster Irsee zu ihrer viertägigen Arbeitstagung.

Im Jahre 2015 wurde die Arbeitstagung in den eingetragenen Verein Herstellungsleitertagung e.V. überführt. An dieser Stelle möchte der Verein sich bei Rainer Blankenhorn für dessen großes Engagement bei der Lösung dieser Mammutaufgabe sehr herzlich bedanken. Ein aus dem Kreise der Vereinsmitglieder gewähltes und rotierendes sechsköpfiges Gremium gestaltet weiterhin die Tagungsinhalte. Die Geschicke des Vereins verantwortet ein Vorstand, bestehend aus vier Gremiumsmitgliedern und dem derzeitigen Vorsitzenden Prof. Hans-Heinrich Ruta. Für das Tagungsbüro übernimmt Astrid Staccone die Organisation.

Seit vielen Jahren ist das Kloster Irsee am Himmelfahrtswochenende der Treffpunkt für Herstellungsleiterinnen und Herstellungsleiter zum fachlichen Diskurs und zur Fortbildung. Jahr für Jahr setzt sich der Verein Herstellungsleitertagung e.V. das Ziel, seinen Mitgliedern mit einem anspruchsvollen Programm hochkarätige Fachinformationen und eine Plattform zum regen Austausch zu bieten.